Die Oßmannstedter Orgelhandschrift / Michael Kapsner, Orgel

Die Oßmannstedter Orgelhandschrift

Michael Kapsner spielt auf der historisch restaurierten Johann Benjamin Witzmann Orgel der Peterskirche zu Oßmannstedt

Bezeichnung  wie in der Orgelhandschrift
(Abschnitte bzw. Zeilen im Titelkopf sind durch „/“ getrennt, Anmerkungen in runden Klammern)

01    "No: 5 / Fuge von Händel."    [ 3:05]

02    "No: 17 / Praeludium.  / Allegro con brio. /Rink."  [ 2:27]

03    "No: 19 / Adagio.  / Rink."  [ 1:15]

04    "No: 21 / Con allegrezza. Laßt uns alle fröhlich sein. / J. G. Töpfer"  [ 0:56]

05    "No: 22 / Manualiter. Vom Himmel hoch da komm ich her. / M. G. Fischer."  [ 0:49]

06    "No: 25 / Praeludium.  / J. C. Kittel."   [ 1:56]

07    "Adagio cantabile.  / Rink."  [ 1:10] (ohne Nummer nach der No: 25 eingefügt)

08   "No: 29 / Praeludium.  / J. C. Kittel." [ 2:03]

09    "No: 30 / Praeludium.  / J. C. Kittel." [ 2:01]

10    "No: 31 / Fuge.  / Seb. Bach." [ 6:08] (bekannt als BWV 543)

11    "No: 33 / Praeludium.  / Moderato. Mit zarten Stimmen / Rink." [ 1:51]

12....."No: 36 / Fuga. / Händel."  [ 3:22]

13    "No: 40 / Nachspiel fürs volle Werk. / Mäßig langsam. / M. G. Fischer
..........Organist u. Musikdirektor in Erfurt.“
 [ 5:01]

14   "No: 41 / Vorspiel zu: ein´ feste Burg ist unser Gott. / Risoluto. / Fischer." [ 1:25]

15    "No:45 / Praeludium und Fuge über den Namen "Bach" / di J. Seb. Bach."  [ 5:08]
.........(bekannt als BWV 898, vermutlich fälschlich J. Seb. Bach zugeschrieben)

16, 17, 18               
........."No: 48 / Sonate v / Andante. [ 1:15] - Andante con Moto. [ 2:41]  
..........- Allegro maestoso. [ 4:32] / F. Mendelssohn Bartholdy, op.65  
......... (bekannt als Sonate op.65 Nr.5)

19    "61. / Fughette / Mit vollem Werk / Joh. Seb. Bach"  [ 1:25]

20    "62 / Adagio. Mit sanften Stimmen und abwechselnden Manualen. / L. Spohr. [ 5:46]

21    "65 / Praeludium über: Nun danket alle Gott. Vivace /  Volles Werk / G. Töpfer." 
.........[ 1:08]

22   "68 / Praeludium: Allein Gott in der Höh sei Ehr. Animato. / G. Töpfer."  [ 1:10]

23   "70 / Praeludium: Mir nach spricht Christus.  / G. Töpfer."  [ 2:01]

24   "78. / Fugirtes Nachspiel. Moderato / Rink."  [ 5:48]

25   "No 79. / Gravita. Für volle Orgel. / Dr Rink."  [ 1:51]

Michael Kapsner, Orgel
TT 66:14..................... H.A.R.M.S. 101201
EAN 4260019750143
aus dem Booklet:

.......Ursprünglich ging es bei dieser CD-Produktion darum, das wunderbar sorgfältig restaurierte Meisterwerk des jungen Orgelbauers Benjamin Witzmann mit einem historisch passenden Programm vorzustellen. 1810 wurde die Orgel in der Oßmannstädter Peterskirche fertiggestellt. Doch was wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dieser Orgel typischerweise gespielt? Die landläufige Meinung zur Orgelgeschichte besagt, daß die Entwicklung der Orgelmusik mit Bach zunächst aufhört, um dann erst mit Mendelssohn und Liszt wieder neu zu beginnen. Betrachtet man die sogenannte „Heroengeschichte“, also die bedeutendsten Komponisten zwischen ca. 1750 und 1850, dann scheint dieser Eindruck auch durchaus zu stimmen. Die Großmeister der musikalischen Klassik interessieren sich einfach nicht besonders für die Orgel.

......Wie es der Zufall will, wurde im Rahmen der Aufräumarbeiten zur Vorbereitung der Orgelrestaurierung in der Peterskirche eine Handschrift gefunden, genauer eine handschriftliche Zusammenstellung verschiedener Orgelwerke, die mit ihren deutlichen Gebrauchsspuren offensichtlich als Sammelwerk zum Orgelspiel in der Gemeinde verwendet worden ist. In dem Band lassen sich unterschiedliche Handschriften erkennen und einer der Kopisten trug das Datum 1850 ein. Durch diesen Fund war klar: Mit diesen Werken soll die Orgel auf dieser CD vorgestellt werden.

......Betrachtet man die in der Handschrift vertretenen Komponisten, dann finden sich zwischen wenigen Werken von J. S. Bach und G. F. Händel auf der einen, und Mendelssohn und Spohr auf der anderen Seite, vor allem Werke von Kittel, Rink, Fischer und Töpfer. Das sind in der Thüringer Orgeltradition keineswegs unbekannte Namen, die in Lehrer- Schüler- Beziehung eine ungebrochene Musiziertradition von Bach bis Mendelsohn repräsentieren, als deren Zentrum die Predigerkirche in Erfurt gesehen werden kann. Damit füllt sich zumindest für Thüringen die Lücke zwischen Bach und Mendelsohn, wie diese Handschrift eindrucksvoll belegt. Auch zeigt sie in der Gewichtung der Komponisten deutlich das Bestreben, vor allem die damals „zeitgenössische“ bzw. „aktuelle Musik“ zur Verfügung zu stellen.

......Eine musikwissenschaftliche Aufarbeitung der Ossmannstädter Orgelhandschrift steht noch aus. Daher werden die hier aufgenommenen Werke auch nach ihrer Zuschreibung bezeichnet, wie sie in der Handschrift vorgenommen wurde. Es ist durchaus möglich, daß sich hier noch unbekannte Werke  befinden. So ist z.B. ein „Adagio“ für Orgel, das hier Luis Spohr zugeschrieben wird, in dessen Werkverzeichnis nicht zu finden. Ob es sich um eine Adaption eines anderen Werkes von Spohr handelt oder möglicher Weise um ein bisher nicht verzeichnetes Originalwerk, ist derzeit nicht zu klären.

......Interessant ist auch die Frage, ob diese Handschrift eine Ausnahme darstellt, oder ob es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts üblich war, handschriftlich Sammelbände für die Landgemeinden zu erstellen. In jedem Fall wirft diese Handschrift ein erhellendes Licht auf die lebendige Orgelkultur jener Zeit und das mit Werken, deren hohes Niveau in Bezug auf das Kompositionshandwerk dem Organisten ein erhebliches spieltechnisches Können abverlangt. Wer hätte dies in der kleinen ossmannstädter Dorfkirche vermutet? 

......An dieser Stelle ist besonders Prof. Michael Kapsner zu danken, der mit großer Sorgfalt einen repräsentativen Querschnitt an Werken aus der Handschrift für diese CD ausgewählt und durch sein besonderes Engagement als Organist diese Aufnahmen überhaupt erst möglich gemacht hat.

(C) H.A.R.M.S.

Diese CD wurde herausgegeben in Zusammenarbeit mit der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Oßmannstedt anläßlich der Wiedereinweihung der restaurierten Orgel und des Fundes der Oßmannstedter Orgelhandschrift, mit freundlicher Unterstützung der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und des Förderverein Witzmann-Orgel Oßmannstedt e.V. (www.witzmannorgel.de).

Veranstaltungen in der Peterskirche finden Sie unter www.wielanddorf.de

Orgelrestaurierung und Orgelstimmung: Orgelbau Waltershausen GmbH
(www.orgelbau-waltershausen.de)